Samstag, 23. November 2013

Das Westerwälder Bauernhaus



Überall in Friedewald stehen sie, die typischen Westerwälder Bauernhäuser.
In ihrer Grundform sind sie ca. 20 auf 10 Meter lang und vereinten Wohnen und Wirtschaften unter einem Dach.[1]  Sie wurden daher auch „Einhäuser“ genannt. Typisch sind zweigeschossige Häuser mit einem „Niederlass“.
Ihr Fundament wurde oftmals mit Basaltsteinen aus dem nahegelegenen Bruch gemauert. Die Deckenhöhen der Keller, sind für unsere heutigen Verhältnisse oftmals sehr niedrig (ca. 1,60m - 1,70m).
Auf dem Schwellenkranz wurde das Ständerwerk aus Eichenholz aufgebaut. Noch heute kann man an den freigelegten Fachwerkhäusern die Langstreben und Holzquerschnitte erkennen. Die Balken wurden geschwärzt. Die Gefache mit Lehm ausgekleidet und gekalkt. Der dabei hervortretende Kontrast zwischen schwarzen Balken und geweißten Gefachen macht das typische Erscheinungsbild des Fachwerkhauses aus.

 Das Haus betrat man über den so genannten „Ern“. Er diente als Flur und Küche zugleich. 
Hier war die Kochstelle und von dort konnte man in die Wohnstube gehen.
Der Ern war ohne Fenster ausgestattet. Den einzigen Lichteinfall erhielt man, wenn man die Haustüre geöffnet hatte. In den Häusern bis spät ins 19. Jahrhundert hinein waren daher die Türen zwei geteilt. Um Licht zu erhalten öffnete man einfach den oberen Teil der Türe.


In der Mitte des Hauses lag der Stall. Er wurde, wegen den Fäkalien der Tiere, gemauert. Die Scheune bestand aus der Tenne, dessen Boden mit Lehm gestampft wurde und einem weiteren Geschoß, wo Heu gelagert wurde.
Im Obergeschoß befanden sich kleine Schlafstuben und oftmals weitere Vorratskammern (zum Lagern von getrocknetem Obst, Räucherwaren, etc.).

Bis in die 1930er Jahre war es bei uns noch üblich das Dach mit Roggenstroh zu decken. Reiche Mitbürger konnte man schnell an einem Schieferdach ausmachen (was allerdings sehr selten der Fall war).

Zusammenfassend kann man sagen, dass die damaligen Wohnverhältnisse sehr rudimentär waren. Ständig muss es kalt gewesen sein, da nur der Ern beheizt war. Auch die niedrigen Deckenhöhen, die kleinen Zimmer und der starke Ruß machen aus unserer heutigen Sicht, den Wohnraum wenig attraktiv.

1904 wurden im Dorf die Wasserleitungen fertiggestellt. Erst kurz vor dem Weihnachtsfest im Jahr 1919 brannten in Friedewald zum ersten Mal elektrische „Kerzen“.[2] Beides jedoch wird den Alltag der Friedewälder sicherlich angenehmer gestaltet haben.


[1] Mitschrift Vortrag von Dr. Manfrid Ehrenwerth: Westerwälder Fachwerkbauten. Do. 21.11.2013
[2] Langenbach, Wilhelm ( 1974): Stadt Friedewald. S. 93