Freitag, 25. Januar 2013

Gedicht - Du altes Städtchen Friedewald

von 
Gertrud Schmidt
Niederdreisbach


Du altes Städtchen Friedewald,
schon tausendfach besungen!
Das Lied, das einst den Grafen galt,
ist heut noch nicht erklungen.
Vom Saynschen Löwen, Wappentor
wird manches Aug´verführet;
doch stellte ich mir öfters vor,
wem großen Dank gebühret.

Gewiss war es ein großes Ding,
das Bauwerk zu gestalten,
doch groß ist auch der Bürgersinn,
dies alles zu erhalten.

Das Renaissance-Schloss wunderschön,
erbauet einst vom Adel,
doch auch im alten Flecken stehn´
die Häuser ohne Tadel.

Mit wie viel Arbeit und mit Schweiß
hat man sie renoviert;
gelohnt hat sich wohl der Fleiß, ein Lob dafür gebühret
den vielen Menschen, die sich plagen,
zum Flair des Stadtbild´s beizutragen.

Romantik steckt in vielen Ecken
mit Bäumen, Gärten, Mauern, Hecken,
ich denke wohl, es könnt sich lohnen,
im schönen Friedewald zu wohnen
dank derer, die in großen Zahlen
ein fronten und jetzt Steuern zahlen.

Der Grafen Lied sing ich nicht heute,
ich sing das Lied der Kleinen Leute.

Sonntag, 20. Januar 2013

Sage: Die Mühlenhexe



Es war einmal vor vielen hundert Jahren, als noch Pferdefuhrwerke über die Friedewälder Straßen holperten und Kerzenschein die Häuser erleuchtete, da klapperte am Friedewälder Bach eine kleine Mühle.
In der Mühle wohnte der Müller mit seiner Frau. Die Geschäfte gingen gut und dem Müller eilte der Ruf eines wohlhabenden Mannes voraus. Es hätte so ein schönes, beschauliches Leben sein können, aber die Arbeit war viel und die Müllerknechte wechselten, wie das Wetter im April.
Eines Tages kam ein junger Bursche nach Friedewald und fragte nach Arbeit.
“Der Müller, der könnte immer einen starken Mann gebrauchen!“ erzählten ihm die Bewohner. Aber eines solle er wissen, vor des Müllers Frau solle er sich hüten. Auf einmal ereiferten sich die Friedewälder: „Aus dem Schornstein habe ich Nachts etwas herausfahren sehen!“ erzählte aufgeregt ein Bauer. „Auf einem Besen ist die Müllers Frau durch die Nacht geritten“, ergänzte ein anderer und alle gemeinsam waren sich sicher, dass die Müllerin Hexentänzen beiwohnen würde.
„Oh, ich fürcht´ mich net“, entgegnete der junge Bursche und machte sich auf den Weg zur Mühle. Der Müller, erfreut über die Verstärkung, wies dem Burschen noch am gleichen Tag die Kammer hinter dem Ofen zu.
Der Knecht legte sich nieder, erinnerte sich jedoch vor dem Einschlafen noch einmal an die mahnenden Worte der Friedewälder, und nahm zur Sicherheit seine Axt mit ins Bett.
Um Mitternacht riss ihn ein ungutes Gefühl aus dem Schlaf. Vor ihm leuchteten, im Dunkeln der Nacht, ein paar glühende Augen und das schnurren von zwei Katzen durchbrach die Stille. Da nahm er seine Axt und schleuderte sie den Katzen entgegen und die Tiere flohen kreischend durch den Kamin. Eine Pfote jedoch blieb auf dem Boden zurück. Er hob sie auf und wollte sie so gleich des Morgens dem Müller als Beweis zeigen.
Der Tag brach an und der Knecht suchte aufgeregt den Müller auf. Er zeigte ihm die Pfote und erst im hellen Tageslicht konnte er sehen, dass an der Pfote ein Ring steckte. Er sah den Müller an, aber dieser wurde immer bleicher. Der Müller hatte sofort erkannt, dass der Ehering seiner Frau auf der Katzenpfote steckte. Er stürmte in das eheliche Schlafgemach und rief: „Steh auf“. Sie aber entgegnete ihm: „Ach, ich bin noch so müde!“. Der Müller aber hatte genug gehört, er riss die Bettdecke hoch und sah, dass seiner Frau eine Hand fehlte.
Nun wusste auch der Müller, dass seine Frau eine Hexe war.
Auf dem Galgenkopf wurde sie auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

In Anlehnung an:
P. Runkel (1929): Westerwaldsagen. Die Hexe aus der Mühle. Julius Beltz Verlag, Berlin-Leipzig, Neuauflage Dr. Marin Sändig oHG, Wallau, 1972, S. 293.