Sonntag, 3. Februar 2013

Sage: Die Irrlichter



Schonimmer hat es den wanderfreudigen Friedewälder in die nahe Umgebung gelockt. Unweit des Dorfes, in der Gemarkung Derschen gelegen, befindet sich das Naturschutzgebiet „Derscher Geschwämm“.
Der tonige Untergrund verhindert dort das schnelle absinken des Regenwassers. Im Laufe der Jahrhunderte konnten sich in der moorigen Landschaft Binsen und Röhricht, sowie seltene Tier- und Pflanzenarten ansiedeln. Ein Hochmoor entstand.

Bis heute hat sich eine Sage gehalten und wer weiß, ob nicht so mancher Wanderer noch heute von ähnlichen Erlebnissen erzählen könnte:



Es war einmal ein Bergmann, welcher im Daadetal in die Grube einfuhr. Hart und entbehrungsreich war die Arbeit, aber groß der Zusammenhalt unten den Bergmänner. „Glück auf!“ erschallte es nach getaner Arbeit und nur der, der den Berg von seiner dunkelsten Seite kennengelernt hat, kann die Hoffnung und den Segen, welcher auf diesen beiden Worten liegt von Herzen verstehen.

„Glückauf!“ erwiderte auch der Bergmann und wünschte seinen Kollegen eine gute Einfahrt. Er selbst hatte noch einen zweitstündigen Weg in sein kleines Höhendorf vor sich.

Rabenschwarz war die Nacht und um unnötige Wege zu umgehen schlug er den Pfad mitten durchs „Geschwemm“ ein. Trotz Dunkelheit scheute er sich nicht den gefährlichen Weg zu gehen, kannte er ihn, nach so vielen täglichen Durchquerungen, doch wie seine Westentasche. So ging er hin. Er war sicherlich schon eine Stunde unterwegs alser den Pfad durch das sumpfige Land betrat. Still lag der Wald um ihn herum undneblige Schwaden krochen über den Boden. In der Ferne durchbrach der Ruf einesKäuzleins die Stille. Er spürte den festen Boden unter seinen Füßen und gingsicher seines Weges weiter. Den Tod fürchtete er nicht, war er doch bei jederSchicht sein treuer Begleiter. Plötzlich, er war sich ganz sicher, sah er einkleines Lichtlein. Ganz kurz, dann wieder aufflackernd schien es faststillzustehen. Sein Herz pochte. Konnte es sein, dass ein weiterer Wagemutigerden gefährlichen Weg durch die Nacht auf sich nahm? Er blieb stehen. „Hallo“,rief er in die Nacht hinein. Stille. Niemand antwortete ihm. Er wollte schonweiter gehen, da hörte er es. Ganz leise und zaghaft vernahm er ein „Hallo“. DerBergmann nahm all seinen Mut zusammen und schritt langsam auf das Lichtlein zu.Er spürte wie der Boden unter seinen Füßen immer schwammiger wurde. Schon bald versanker knöcheltief im Morast und konnte nur unter allergrößter Kraftanstrengungseinen Weg fortsetzen. Der Sumpf schien ihn immer stärker gefangen zu halten.Das Licht fing an zu tanzen. Er rief um Hilfe, seine Muskeln zogen sich unterder Kraftanstrengung immer weiter zusammen. Lange, da war er sich sicher,konnte er aus eigener Kraft ein weiteres versinken nicht verhindern.

„Hallo“,rief er erneut, aber als Antwort erschallte nur ein höhnisches Lachen. Dawusste er, dass ein Irrlicht ihn die Falle gelockt hatte. Irrlichter, davonhatte ihm bereits seine Mutter erzählt, sind Geister, die Menschen von ihremWege locken und sie zum sicheren Tod führen.

Dakam es ihm in den Sinn: „Glück auf!“. Er sprach es laut vor sich hin und tatlangsam einen Schritt vor den nächsten. „Glück auf!“ diese zwei Worte, die ihmschon so oft Kraft und Mut zugesprochen hatten, brachten ihn auch in dieserdunklen Nacht zurück auf seinen Weg.

DerMorgen brach bereits an. 
Mit allerletzter Kraft hatte er es bis nach Hausegeschafft.



In Anlehnung an:

P. Runkel(1929): Westerwaldsagen. Die Irrlichter. Julius Beltz Verlag, Berlin-Leipzig, NeuauflageDr. Marin Sändig oHG, Wallau, 1972, S. 305-306.