Sonntag, 24. Februar 2013

Münzfälscher-Skandal in Friedewald



Während des Dreißigjährigen Krieges litt das Daadener Land große Not.

Immer mehr Menschen bevölkerten das Land und die Landesherren mussten den Sold für ihre Kriegstruppen zusammenhalten. Da immer weniger Silber gefördert wurde und gleichzeitig die deutschen Landesherren immer mehr Gelder in ihren Schatzkammern horteten, kam es zu einer Verknappung des Kurantgeldes. Im Gegensatz zu unseren heutigen Cent-Stücken, waren die damaligen Taler und Groschen durch den entsprechenden Silber- und Edelmetallgehalt in ihrem Wert gedeckt (daher der Name Kurantgeld).

In der Folge kam es zu einer Geldentwertung. Diese Zeit wird auch als Kipper- und Wipperzeit bezeichnet. „Wippen“ steht hier für das Auswiegen der Münzen auf einer Waage und „Kippen“ für das anschließende aussortieren der zu schweren Stücke. Die schweren Münzen wurden anschließend eingeschmolzen und durch Zugabe von Kupfer, Zinn oder Blei zu neuen Münzen mit geringerem Wert gegossen.

So kam es das im Jahre 1692 im Keller von Schloss Friedewald eine Heckenmünze (geheime, illegale Münzstätte) entstand.
Es ist überliefert, dass dem Münstmeister, Paul Grill aus Isenburg, ein Münzsekretär nahmens, Daniel Eberlin, der Eisenschneider Martin Cupy aus Schlesien, sowie weitere Untermünzbedienstete aus Thüringen und Lüneburg unterstellt wurden.  
Der Friedewälder Schmied, Anton Gundermann,  wurde aufgefordert das Erz einzuschmelzen, welches im Anschluss von den Münzern zu neuen Münzen mit einem Mindergehalt von 50 Prozent neu geprägt wurden.
Das frisch geprägte Geld wurde anschließend nach Altenkirchen transportiert und wurde von dort aus in den Umlauf gebracht.

Lange hielt das Glück der Falschmünzer jedoch nicht an. Bereits im Februar 1694 flog der Schwindel auf und brandenburgische Truppen durchsuchten das Schloss. Der damalige Herr von Friedewald, der hessische Landgraf, sah seine Interessen bedroht und entsandte ebenfalls eine Fußtruppe nach Friedewald. Mittlerweile hatten die Brandenburger jedoch weitere Verstärkung gerufen und so glich die Umgebung einem großen Heerlager.
In einem Gehöft fand man schnell das Falschmünzergerät und beschlagnahmte es.
Um die Situation zu entschärfen, versprach der Landesherr, der Herzog von Sachsen-Eisenach, die Fälscher mit aller Strenge zu bestrafen.
In Wirklichkeit jedoch hatte er den Friedewäldern schon längst Gnade erteilt und dem geflohenen Schmied, sowie dem Münzmeister und Münzsekretär in Thüringen Schutz gewährt.



Quellen:

Wolf, Herbert (1957): Friedewald: Schloss und Ortschaft, Land und Leute. Verlag Herbert Renner, 1957, S. 48-50.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kipper-_und_Wipperzeit. Stand 31.01.2013, 11:30 Uhr.