Donnerstag, 1. November 2012

Wie Friedewald Stadtrechte erhielt

Um zu erklären, warum so ein kleines, sehr ländliches, abseits von den großen Handels-routen gelegenes Dorf wie Friedewald, die gleichen Rechte wie die Reichsstädte Köln und Frankfurt erhielt, müssen wir ein wenig in der Geschichte ausholen.


Wir befinden uns im Spätmittelalter, genauer gesagt im Jahre 1313. Der damalige Kaiser Heinrich VII. war bei seinem Italienfeldzug am 24. August in der Nähe von Siena zu Tode gekommen. Nun waren die Landesherren aufgerufen einen neuen König zu wählen. Neben Ludwig von Bayern nahm auch Friedrich der Schöne den Titel des neuen Königs in Anspruch. So kam es das am 19. Oktober 1314 in Bonn, Friedrich der Schöne ernannt wurde und einen Tag später Ludwig der Bayer sich in Frankfurt zum König ausrufen ließ. Diese Doppelwahl führte zu massiven Streitigkeiten im Land und gipfelte am 28. September 1322 in der Schlacht von Mühldorf. Ludwig gewann die Schlacht und nahm die Königsgewalt im Reich ein.   

Die Sayner Grafen Johann der I. und sein Sohn Gottfried II. (Mitregent seit 1314) kämpften auf Ludwigs Seite und erhielten aus Dankbarkeit im Jahre 1314 die Stadtrechte für Hachenburg, Altenkirchen und Weltersburg. Im Jahre 1324 erfolgte die Stadtwerdung Friedewalds.

„Wir Ludwig von Gottes Gnaden Römischer König, allezeit Förderer des Reiches, lassen alle wissen, dass wir für die nützlichen Dienste, die der edle Graf Gottfried von Sayn, unser lieber Getreuer, uns und dem Heiligen Römischen Reiche erwiesen hat und auch künftig erweisen wird, den diesem Grafen gehörenden Ort Friedewald befreien und erlauben, dort eine Stadt zu bauen und sie mit Mauern, Wall und Graben zu befestigen. Wir verleihen ihr alle Rechte und Freiheiten, die unsere Reichsstadt Frankfurt hat und seit Alters besitzt, und bekräftigen diese Urkunde mit unserem Herrschaftssiegel.“ 

Geschehen zu Hachenburg im Jahre des Herrn 1324, im 10. Jahre unserer Regierung.


                           
Für den Ort Friedewald bedeutete dies, dass sie sich als Stadt bezeichnen und ihr Gebiet durch eine Stadtmauer befestigen durfte. Hinzu kamen das Markt-, Münz-, und Zollrecht. Damit einher ging, dass es dem Sayner Grafen gestattet wurde selber Münzen prägen zu lassen und Zölle für sein Gebiet zu erheben. Das Marktrecht wiederum erlaubte es einen Markt einzurichten, an dem die Bauern der Umgebung und die Handwerker des Ortes ihre Waren anbieten konnten.
Friedewald konnte jedoch nie an großer Überregionaler Bedeutung gewinnen. Wahrscheinlich ist dies auf die schlechte Lage, fernab der damaligen Handelrouten, zurückzuführen.


Quellen:
Karl Borromäus Murr, Schlacht von Mühldorf, 1322, in: Historisches Lexikon Bayerns,
URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_45488>
(29.03.2011) Stand 01.11.2012,15:40 Uhr

Langenbach, Wilhelm (1974): Stadt Friedewald 1324-1974. Gemeindeverwaltung Friedewald,1974, S. 6ff..

Wolf, Herbert ((1957): Friedewald. Schloss und Ortschaft, Land und Leute. Verlag Herbert Renner, Berlin, S. 12.